Schlüssel über Schlüssel über Schlüssel.
Die trägt jeder in sich.
Ein verheißungsvolles Scheppern mit jedem Schritt nach vorne.
Passt der Eine nicht, probier den Nächsten.
Irgendwo öffnet sich immer eine Tür.
Vielleicht irgendwo versteckt, vielleicht hinterm Kik-Textildiscounter.
Vielleicht am anderen Ende der Stadt.
Doch dann, dann springt das Ende um auf Anfang.
Donnerstag, 29. April 2010
Dienstag, 27. April 2010
Jesus mit Essstörungen
Oplaten, Oplaten, Traubensaft. Verdammt nochmal! Früher, als der Verräter mir ins Ohr flüsterte, da gabs wenigstens noch Wein und Brot. Ein schöner Tod. Aber die fetten Jahre sind vorbei. Fetter Segen, fettes Wunder. Heute zischt Kate Moss: Nix zu essen, nix zu essen. Nein, meine Suppe ess ich nicht. Die Verräterin. Wir sitzen da in der Selbsthilfegruppe für ausgemergelte Ikonen. Berufskrankheit. Geschunden, ausgemergelt muss ich aussehen - sonst glaubts ja keiner. "Ihr Sünder seht, was ihr da angerichtet habt", zetert das Totenkopf-Äffchen aus Rom. Der Imperator. Fühlt euch recht schön unwürdig. Eure Suppe musst ich auslöffeln. Ach nein falsch. Eure Peitschenhiebe einstecken. Selbst Kate sagt jetzt: An den will man nicht glauben, den will man füttern. Ausgemergelt irgendwo abhängen hat schon was Erhabenes. Die ewige Schönheit. Die ewige Nächstenliebe. Das ewige Etwas. Das gewisse Etwas. Für die Ewigkeit muss man sich schon ordentlich kasteien. Dieses große sperrige Ding. Sonst wär's mit einem Wimpernschlag wieder vergessen.
Fehlfunktion
Buchstaben-Designerin. Design. Form follows function. Lustig, meistens funktionierts ja nicht. Das mit der Kommunikation. Buchstaben-Funktion. Sprechen, sagen, schreiben. Aber du sollst ja nicht alles hören und lesen. Nein, vielleicht hör ich mir nur gern selbst zu und blick mir dabei tief in die Augen. Buchstaben-Augen und zwinker mir zu. Designe meinen Doppelgänger als Unikat. Adäquat? Gemischtes Doppel im Einzel. Rechte und linke Gehirnhälfte spielen Ping Pong. Oder spiel ich doch nur gegen die Wand? Ein ewiges Hin und Her jedenfalls. Kling Klong. Hehena gegen Hehena mit Hehena als Schiedsrichter. Obwohl - den Anpfiff gab jemand anderes. Oder? Und der Abpfiff folgt bestimmt. Vom ewigen Hochsitz. Wenn man es denn glaubt.
Plastik-Zirkus
Ausgeliefert an die Beauty-Sekte. Zum Fachchinesisch-Quiz. Zur Überlegensheitsparade. Zum Marketing-Wettrüsten mit schußbereitem Designerbegriff. Da wird die Nagelfeilerin zur Maniküre-Managerin und lädt zur Vernissage mit Acrylnägeln ins Atelier. Es lebe die Kreativwirtschaft. Kreiert einen Wanderzirkus nach dem anderen. Laß die Delfine durch den Blutorangen-Himmel springen, die Harlekine tausend Gel-Tränen weinen. Oh das Hohelied der Kunst. Und der Natur. Ja ja zack zack noch was Lavendel und Olivenöl in den Klarlack gemischt. Ungesund, aber riecht gut. So riecht zwar kein echter Lavendel. Aber wer merkt das schon. Blumenduft und Wasserstoff-Peroxid kann eh keiner mehr unterscheiden. Wenn man oft genug ein X für ein U kauft. Und sowieso sollten sich Mann und Frau mit Verfallsdatum ein Beautycase mit halbem Malerbedarf zulegen. Fake-it-Kit nannte es mal jemand. Spachtelmasse für die Unebenheiten. Sprühlack als Schutz gegen witterungsbedingte Schäden. Hauptsache der duftet nach Rosen. Ich mal deinen Hintern an. Du meinen. Ich sag nur: Der Tod steht ihr gut. Solang der Putz nicht bröckelt und die Wände nicht einstürzen.
Samstag, 24. April 2010
Yoga-Kopfatmung
Ich wünschte, ich könnte direkt ins Gehirn atmen. Manchmal ist es so stickig dort drin. Einmal durchlüften bitte! Aber das ist ein Haus ohne Fenster.
Mahlzeit
Das Leben ist eine Buchstabensuppe.
Wenn wir genau hinsehen würden, könnten wir eine Geschichte herauslesen.
Aber wir schlingen es gierig in uns hinein.
Aus Hunger, aus Sehnsucht, aus Angst vor der Leere.
Wenn wir genau hinsehen würden, könnten wir eine Geschichte herauslesen.
Aber wir schlingen es gierig in uns hinein.
Aus Hunger, aus Sehnsucht, aus Angst vor der Leere.
Hüpf aus der Uhr
Ein kleiner Hopser.
Für einen Moment bin ich weg,
aus der Uhr gehüpft
und spüre warmes Blut
durch meine Beine strömen.
Da ist niemand.
Nur ich und der Himmel.
..............................................
Hüpf und spring und tanz und flieg. Arme hoch. Beine hoch. Reck und streck dich. Als gäb's keine Schwerkraft. Da oben ist die Luft klarer, frischer, wie nie geatmet. Das Licht ist heller. Aber schon zieht der Magnet wieder nach unten. Macht nichts. Hop hop hop. Ich entkomme, entwische immer wieder. Eine halbe Sekunde, eine Sekunde. Oder war es doch eine Stunde, ein Tag? Sekunde, Stunde, Tag. Egal meins ist es. Ich bin es. Da bin ich. Zurück erobert. Meins im Dazwischen. Ich werd's nicht vergessen. Die Luft, die meine Lungen füllt. Die Luft, die nach Weite riecht. Ich rieche es. Es geht immer weiter.
Mittwoch, 21. April 2010
Ich wollt ich wär ein Uhu
(Heute morgen schuhute tatsächlich ein älterer Herr im Duisburger Hauptbahnhof...Klang ungefähr so: http://www.nabu.de/audio/uhu.mp3 )
Dienstag, 20. April 2010
Polonaise der Wahrheit
Mit trockenen Augen suche ich den PC-Bildschirm ab. Lad dir deinen Bauplan runter. Hat jemand so ein Leben schon gelebt? Schlags nach. Wird bei Wikipedia das Ende verraten? Winken Erfolg, Liebe, Glück? Irgendwo muss es sein das Geheimnis. Wissen überall, immer, unbegrenzt. Aber da ziehen sich nur die Spuren der Suchenden durch das Meer der Weisheit. Schlangen von Wortvorschlägen. Tipp tipp Google weiß wo sie verschwunden sind und jagt hinterher. Bevormundend irgendwie. Laß mich doch zuende schreiben. Immer dem Wahrscheinlichsten hinterher. Eine Polonaise der Wahrheit. Ist das die Wahrheit, wenn sich einer hinter den anderen reiht? Schlüssige Begriffskette. Darauf einigen wir uns jetzt mal. Wer will sich schon zum Affen machen. Polonaise, Gottlieb Wendehälse, Löcher aus Käse und so. Aber ausschwärmen und weitersuchen? Allein wohlmöglich? Nein, wer weiß, was da lauert im Dickicht. Lieber der Hammelherde hinterher. Wir machen durch bis morgenfrüh und singen Bumsfaldera. Lass die Wahrheit Wahrheit sein.
Das Buch Dahlia
"Denn mal ehrlich: Es spielt keine Rolle, wie verachtenswert, egozentrisch, deprimierend, faul, schlampig, verwöhnt oder vermurkst sie war. Leben ist Leben. Und das ist entweder grundsätzlich bedeutsam oder nie, du Schmock; keine Differenzierungen. Nun mal nicht wählerisch sein. Entweder zählt es oder nicht. Das Leben ist wertvoll oder wertlos: entweder oder. Immer noch trockene Augen angesichts von Dahlias Niedergang? Du missbilligst ihre Lebensführung? Du beargwöhnst ihre Handhabung der tödlichen Krankheit? Du mokierst dich über ihr Verhalten? Dann scherst du dich nicht wirklich um menschliches Leben, nicht wahr? Dieses erbärmliche Leben, hier dargelegt: Ein schlichter Lackmustest, mein Junge."
Aus: Das Buch Dahlia von Elisa Albert.
Aus: Das Buch Dahlia von Elisa Albert.
Casting-Protokolle
Die Sterne tanzen den Burnout. Heidi tanzt den Leistungsgesellschaftslimbo. Kommste zu hoch kriegste einen mit dem Stock, zu tief und das Rückgrat schmerzt. Sollten nicht eigentlich Ackermann und Westerwilli in der Jury sitzen? Nein lieber Q R S T. Ja so berühmt wollen wir mal werden, dass wir keinen Namen mehr brauchen. Was macht man nur wenn alle bedeutungsschwangeren Buchstaben aufgebraucht sind? Zu stark, zu schwach. Zu langsam, zu wenig, zu wenig flexibel, zu faul. Der ewige Marathon. Aber aus mir könnt ja doch noch was werden. Mal mir einen Wert ins Gesicht, frisier mir Dollarzeichen in die Haare. Von Hartz IV zu Seite Eins und zurück. Die Aktien steigen, die Aktien stürzen ab, steigen, stürzen ab. Und jeder darf mitfeilschen. Wenn du nicht gut genug bist, wirste nicht gekauft, äh gebucht. Kursschwankungen stehen im Kleingedruckten. Tausch die langen Beine gegens große Glück. Seelenfänger. Casting für die Kapitalismus-Oper von Aufstieg und Fall, Siegern und Versagern. Soziales Drehbuch. Spar dir die Mühe. Ums Gewinnen gehts nicht. Nur darum, wer am schönsten fällt. Eine neue Variation der Fallhöhe. Die oberen Zehntausend kriegen mal eine Verschnaufpause. Die unteren Zehntausend werden dafür die Treppe hochgetrieben, dürfen einmal die Höhenluft schnuppern, um dann wieder runtergeschmissen zu werden. Tja, keine Leistung, kein Platz auf dem ewigen Hochsitz. Heul nicht übers Elend, biste ja selbst Schuld.
Topmodel-Wortschnipsel:
You need to practice, practice, practice, practice, practice. Every second of the day that you're awake you need to be practicing. When you're sleeping, you need to be dreaming about modeling. Competition. Competition. Challenge. Good job. You're boring. Arbeite an dir, arbeite an dir. Leistung. Langweilig. Dein Wille reicht nicht aus, um deine Schwächen zu kompensieren. Sie hat es einfach nicht. Ich sehe nichts in ihren Augen. Da ist nichts. Veränderung. Weiterentwickeln. Du schaffst es, du schaffst es nicht. Ehrgeiz. Sei dir nicht zu sicher. Du denkst du hast es geschafft. Tick Tack Tick Tack, deine Uhr, unsere Uhr. Du kämpfst jetzt für uns weiter. Leichtigkeit, Eleganz, Weiblichkeit. Zeig mir Gefühl. Gib alles. Mach dein Ding.
Topmodel-Wortschnipsel:
You need to practice, practice, practice, practice, practice. Every second of the day that you're awake you need to be practicing. When you're sleeping, you need to be dreaming about modeling. Competition. Competition. Challenge. Good job. You're boring. Arbeite an dir, arbeite an dir. Leistung. Langweilig. Dein Wille reicht nicht aus, um deine Schwächen zu kompensieren. Sie hat es einfach nicht. Ich sehe nichts in ihren Augen. Da ist nichts. Veränderung. Weiterentwickeln. Du schaffst es, du schaffst es nicht. Ehrgeiz. Sei dir nicht zu sicher. Du denkst du hast es geschafft. Tick Tack Tick Tack, deine Uhr, unsere Uhr. Du kämpfst jetzt für uns weiter. Leichtigkeit, Eleganz, Weiblichkeit. Zeig mir Gefühl. Gib alles. Mach dein Ding.
Sonntag, 18. April 2010
Wo die Amsel der Autobahn lauscht
Wohnen wir nur hier? In dieser Welt-Wohnung mit Garten? Stehen wir nur auf der Erde herum und können jederzeit woanders hingestellt werden? Nein, jetzt gerade da wachse ich mit, da grüne ich, da blühe ich, da atme ich mit. Eingewachsen in diesen Park. Die Bäume erzählen von mir, ich erzähle von ihnen. Eine Geschichte in zahllosen Ausgaben. Jeder Grashalm hat einen eigenen Namen und jeder Ast. Mit einem Blick über die weiten Wiesen öffnet sich mein Kopf und wird einmal durchgelüftet. Die Arme ausstrecken. Mein Gesicht ist wie eine Solarzelle, die Licht in Kraft verwandelt.
Die Autobahn, der Zug. In der Ferne rauscht es. Die Amsel störts wenig. Hier hängt nirgendwo ein Fahrplan, ein Kalender. Aber hier hat alles seinen Platz. Platz, Raum, Zeit. Morgen ist heute, heute ist gestern. Gestern da war ich hier und dachte nicht an morgen. Heute komme ich hierher und schmiege mich noch einmal an das wärmende Gestern bevor ich ins Morgen aufbreche. Hier ist das Aufbrechen ein Ankommen. Das ist der Ort der Stille, in dem es laut werden darf. Zuhause. In dem sich alles gleich wird und ein Vogel eine Melodie singt aus dem, was war, was ist und noch sein wird. Ein Lied, das immer anders und doch wie immer klingt.
Die Autobahn, der Zug. In der Ferne rauscht es. Die Amsel störts wenig. Hier hängt nirgendwo ein Fahrplan, ein Kalender. Aber hier hat alles seinen Platz. Platz, Raum, Zeit. Morgen ist heute, heute ist gestern. Gestern da war ich hier und dachte nicht an morgen. Heute komme ich hierher und schmiege mich noch einmal an das wärmende Gestern bevor ich ins Morgen aufbreche. Hier ist das Aufbrechen ein Ankommen. Das ist der Ort der Stille, in dem es laut werden darf. Zuhause. In dem sich alles gleich wird und ein Vogel eine Melodie singt aus dem, was war, was ist und noch sein wird. Ein Lied, das immer anders und doch wie immer klingt.
Wahl-O-Mann und Wahl-O-Frau
Wahl-O-Mat. Könnte man für so manches gebrauchen. Wahl-O-Auto, Wahl-O-Kleid, Wahl-O-Job und Wahl-O-Partner. Ach ja gibts ja schon. Elektronische Darlings, Akademiker-Elite-Auslese, Jag den Freund mit dem Scout. Puh, jetzt ist kein Partner mehr sicher. Most Wanted! Wer hat diesen Mann, diese Frau gesehen? Einsame Herzen schleichen mit Keschern und Fangnetzen durch die Straßen, Clubs, Bars, Supermärkte. Lauern an der Käsetheke. Oder in der Ratgeber-Abteilung von Buchhandlungen. Genug im Internet gefischt. 1000 Fragebögen, 10000 Matchingpoints - jetzt will ich ihn, sie sehen, hören, riechen. Stattdessen quillt mein Karteikasten über von potentiellen Ehepartnern samt psychologischem Profil. Bald brauch ich einen Unternehmensberater für das Unternehmen Liebe.
Samstag, 17. April 2010
Für Horst und Gertrud war die Welt eine andere

Für das Wichtigste gibt es nie die richtigen Worte. Den Blick, die Berührung, den Schrei, der alles verändert. Oder vielleicht sind die richtigen Worte, Namen, Begriffe verschwunden zwischen brennenden Herzen bei Nur die Liebe zählt, zwischen Geigen auf der Kuschelrock-CD. Denn sie sind nicht mehr die Eigenen. Also Kind der Liebe - wie nennen wir dich bloß? Imposant solls klingen. Einzigartig. Nach Titelseite. Nach Schlagzeile. Nach großer Karriere. Das Ergebnis: Im Sandkasten streitet sich dann der kleine Finn Elvis mit Shakira und Keanu-Noelle um die Schüppe.
http://de.uncyclopedia.org/wiki/Kevinismus
Pop Art im Hühnerstall
Tschieb die tschieb oder alles auf neu
In Fragmenten.
Eingefroren, erstarrt war die Welt.
Ein Stummfilm in schwarz-weiß.
Alt, verbraucht, verstaubt und vergessen.
Jetzt singt jeder Baum ein Lied.
Alles taut, schmilzt, reckt und streckt sich.
Schlüpft, kreucht, fleucht, fliegt.
Alles zwitschert, fiebt und flirtet.
Die Wiesen, Wälder und Felder atmen einmal tief ein und aus.
Der Wind streift Blätter, Blüten und feuchte Erde,
die ihre Tränen trocknet.
Ich nehme einen großen, tiefen Zug
und fühle meine Wangen rot werden,
Sommersprossen sprießen.
Tupf tupf tupf.
Rot, gelb, grün, blau und lila.
Jemand malt eine neue Welt über
die alten, schattigen Augenringe.
Alles auf Reset.
Katastrophen-PR
Missachtet, ja so fühlte er sich.
Himalaya, Mount Everest, Kilimandscharo.
Immer die gleichen Steinhaufen auf den Titelseiten.
Und meinen Namen können bis heute noch nicht mal meine Nachbarn buchstabieren, dachte sich der Eyjafjallajökull.
Und suchte sich Hilfe bei Bohlens PR-Berater. Sein Tipp: "Dreck schleudern! Nur genug Dreck schleudern!"
Gesagt, getan. Hoch motiviert feuerte der Vulkan drauf los und legte gleich den ganzen Kontinent in Asche.
Seine Schlagzeile bekam er und träumte schon vom großen Merchandising-Geschäft mit isländischem Vulkansalz in Wellnesstempeln.
Doch sowohl Paparazzi als auch Handelspartner saßen am Flughafen fest - kein Durchkommen wegen Dreckwolke.
Und so verpufften seine 15 Minuten Ruhm im Staub.
Der Eyjafjallajökull grummelte miesepetrig bis an sein Lebensende.
Himalaya, Mount Everest, Kilimandscharo.
Immer die gleichen Steinhaufen auf den Titelseiten.
Und meinen Namen können bis heute noch nicht mal meine Nachbarn buchstabieren, dachte sich der Eyjafjallajökull.
Und suchte sich Hilfe bei Bohlens PR-Berater. Sein Tipp: "Dreck schleudern! Nur genug Dreck schleudern!"
Gesagt, getan. Hoch motiviert feuerte der Vulkan drauf los und legte gleich den ganzen Kontinent in Asche.
Seine Schlagzeile bekam er und träumte schon vom großen Merchandising-Geschäft mit isländischem Vulkansalz in Wellnesstempeln.
Doch sowohl Paparazzi als auch Handelspartner saßen am Flughafen fest - kein Durchkommen wegen Dreckwolke.
Und so verpufften seine 15 Minuten Ruhm im Staub.
Der Eyjafjallajökull grummelte miesepetrig bis an sein Lebensende.
Freitag, 16. April 2010
Die Seelen-Manager
Heute muss man sich zutiefst verstanden haben, um sich mögen zu dürfen. Meine Vita, mein Anamnesebogen. Such die Bücher ab nach dem Darfschein für dein Sein. Eine Erklärung ist eine Erlaubnis. Eine Diagnose teilt ein Reservat ab, in dem ungebührliches Verhalten toleriert wird. Diagnose, Prognose, alles genau getimt, synchronisiert, sortiert. Hecheln und schwitzen für das Ich. Passt es in den Kalender? Beantrage den Passierschein A38. Man weiß ja wie diese Odyssee ausgeht. Endstation Sanatorium. Verdacht auf Normalität.
Ich twitter also bin ich
Ich steh am Bahnhof, ich sitz im Büro, ich warte am Flughafen, ich schlafe in einem muffigen Hotelzimmer. Immer diese Orte. Als wäre man sich seiner selbst erst sicher, wenn andere Wissen, wo man ist. Der Mensch eine X-Y-Koordinate. Ohne Twitter wüssten wir gar nicht, dass er existiert. Heute zwitschert man sich in die Welt.
Ein leeres Bett in der Großstadt
Manche Tage beginnen schon vor Mitternacht. Da türmt, stapelt, quetscht sich etwas so übermächtig in das Morgen, dass es alsbald ins Heute hinüberquillt, sickert, vergiftet. Dabei ist das heute schon überfüllt genug. Mir geht die Luft weg. Ich schlafe ein. Endlager nicht in Sicht.
Biologisch beruhigend
Warum posiert denn da jemand mit einem Haufen Kuhscheiße in der Hand? Ach ja, die Natur ist ja jetzt ein Statussymbol. Schmier den Madenpüree ins Gesicht. Züchte deine eigene Algenplantage im Gartenteich. Fühl dich überlegen mit deinem Gemüsekörbchen zum Spotpreis von 100 Euro. Kaufst du dir mit jedem Euro und jeder Bio-Gurke ein Jahr mehr Leben. Bis Peter Zwegert vorbei kommt und deine Besser-leben-Rette-den-Planeten-Aber-erst-dich-selbst-Schulden durchkalkuliert. Diagnose: Ab jetzt gibts nur noch Pseudo-Erdbeeren aus Schimmelpilz ein Leben lang. Du denkst: Verdammt dann solls bloß nicht so lange dauern und stürzt dich vom Dach. Klatsch, Matsch, Dünger für den Friedhofsgarten. Ein Jahr mehr ist ein Jahr weniger ist ein Jahr schneller ist ein Jahr langsamer Richtung Tod. Die Karotte und der Kontrollverlust. Die Bionade und der Burnout. Der kontrollierte Anbau gegen das unberechenbare Leben. Da schmiert die Eintagsfliege ab und wir beten den Ökoblues. Hätte sie nicht zwei Tage leben können? Wär ich einmal weniger Auto gefahren, hätte Bio-Obst gekauft. Schon wieder ein Warnhinweis in meiner Karma-Schufa. Ich werd als Eintagsfliege wiedergeboren und stelle fest: Nee wat is mein Leben kurz, aber glücklich ist es auch.
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