Sonntag, 18. April 2010

Wo die Amsel der Autobahn lauscht

Wohnen wir nur hier? In dieser Welt-Wohnung mit Garten? Stehen wir nur auf der Erde herum und können jederzeit woanders hingestellt werden? Nein, jetzt gerade da wachse ich mit, da grüne ich, da blühe ich, da atme ich mit. Eingewachsen in diesen Park. Die Bäume erzählen von mir, ich erzähle von ihnen. Eine Geschichte in zahllosen Ausgaben. Jeder Grashalm hat einen eigenen Namen und jeder Ast. Mit einem Blick über die weiten Wiesen öffnet sich mein Kopf und wird einmal durchgelüftet. Die Arme ausstrecken. Mein Gesicht ist wie eine Solarzelle, die Licht in Kraft verwandelt.

Die Autobahn, der Zug. In der Ferne rauscht es. Die Amsel störts wenig. Hier hängt nirgendwo ein Fahrplan, ein Kalender. Aber hier hat alles seinen Platz. Platz, Raum, Zeit. Morgen ist heute, heute ist gestern. Gestern da war ich hier und dachte nicht an morgen. Heute komme ich hierher und schmiege mich noch einmal an das wärmende Gestern bevor ich ins Morgen aufbreche. Hier ist das Aufbrechen ein Ankommen. Das ist der Ort der Stille, in dem es laut werden darf. Zuhause. In dem sich alles gleich wird und ein Vogel eine Melodie singt aus dem, was war, was ist und noch sein wird. Ein Lied, das immer anders und doch wie immer klingt.

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