Es ist einer dieser Tage an dem der Kalender das Unglück verordnet. Am Montagmorgen ist der morgendliche Aufprall in der Realität besonders hart. Schon am Sonntagabend fühlt sich die Kuschelcouch schon wie ein Schleudersitz an. Noch vierzehn Stunden, noch zehn, noch acht. Klack , Klappe, Action! Um sieben Uhr brabbelt der Radiowecker los. Guido Westerwelle, Angela Merkel, zehn Kilometer Stau auf der A40. Bevor ich „Guten Morgen!“ sagen kann, ist mein Ohr schon randvoll mit dem Elend dieser Welt. Wichtigkeiten und Nichtigkeiten drängen sich durch das Trommelfell, über die Nervenautobahnen und klopfen ungeduldig an die Tür der unbesetzten Kommandozentrale Bewusstsein. Aufstehen! Zähneputzen! Schön machen! Nützlich machen! Schubst da jemand? Im Badezimmer-Spiegel finde ich nur mich und ein wild wucherndes Haargestrüpp, das laut meinem Friseur eigentlich den neuesten Trendhaarschnitt aus Paris darstellen sollte. Mit seinem weltmännischen Trend-Gewäsch hat mich der Provinz-Figaro doch wieder über das Ohr gehauen. Edward mit den Scherenhänden macht mehr aus einer Hecke. Und unter meinen Augen zerfließen noch die Smokey Eyes vom Vortag. Es war wieder keine Zeit. Ich wollte nur ins Bett. Wo sind eigentlich Boris Entrup und sein Make-up-Team, wenn man sie mal braucht. Mal mir ein Gesicht auf! Mir selbst zittert immer die Hand beim Lidstrich. Soviel Perfektion auf so kleinem Raum überfordert mich einfach.
Meine innere Uhr ist synchronisiert mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. 15 Minuten S-Bahn-Fahrt sind 15 Minuten Kalender-Check. Schon bevor ich aus der Bahn vor mein Bürogebäude gespuckt werde, habe ich mich in Terminen und Aufgaben verloren und laufe doch weiter, begleitet von Schritten neben mir, hinter mir und vor mir. Schneller, schneller. Auf Bürgersteigen kann es mir nie schnell genug gehen. Der Weg, das Links und Rechts – sie zählen nicht. Nur das Ziel. Als könnte ich es nicht erwarten anzukommen. Doch ich komme nie an, zumindest an meinem Ziel. An diesem Morgen komme ich aber schon einmal bei der Arbeit an. Ein guter Start.
In den Aufzug presst sich ein Menschengestrüpp, eine Installation aus Kostüm, Anzug und Neonröhre. Morgen! Morgen! Auf jeder Etage wird ein Stück ausgeworfen und steht erstmal als mysteriöses Puzzleteil auf dem Gang. Was es ist? Sagt ein Piep. Mit meinem Login weiß ich wieder wer ich bin. Frau X existiert heute von 9 bis 18 Uhr in der Schifferstraße, 150. Breitengrad/ 120. Längengrad Nord Nord Ost. Das sagt Google-Earth. Ab jetzt starre ich mit meinem PC um die Wette. Wer blinzelt zuerst? Müde werde nur ich und wünsche mir, ich könnte meine Reserven auch an der Steckdose aufladen.




