Dienstag, 27. April 2010

Jesus mit Essstörungen

Oplaten, Oplaten, Traubensaft. Verdammt nochmal! Früher, als der Verräter mir ins Ohr flüsterte, da gabs wenigstens noch Wein und Brot. Ein schöner Tod. Aber die fetten Jahre sind vorbei. Fetter Segen, fettes Wunder. Heute zischt Kate Moss: Nix zu essen, nix zu essen. Nein, meine Suppe ess ich nicht. Die Verräterin. Wir sitzen da in der Selbsthilfegruppe für ausgemergelte Ikonen. Berufskrankheit. Geschunden, ausgemergelt muss ich aussehen - sonst glaubts ja keiner. "Ihr Sünder seht, was ihr da angerichtet habt", zetert das Totenkopf-Äffchen aus Rom. Der Imperator. Fühlt euch recht schön unwürdig. Eure Suppe musst ich auslöffeln. Ach nein falsch. Eure Peitschenhiebe einstecken. Selbst Kate sagt jetzt: An den will man nicht glauben, den will man füttern. Ausgemergelt irgendwo abhängen hat schon was Erhabenes. Die ewige Schönheit. Die ewige Nächstenliebe. Das ewige Etwas. Das gewisse Etwas. Für die Ewigkeit muss man sich schon ordentlich kasteien. Dieses große sperrige Ding. Sonst wär's mit einem Wimpernschlag wieder vergessen.

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