Freitag, 21. Mai 2010
Wohnzimmer-Legebatterie
Kreativ? Aber nur wenn's verwertbar ist. Reproduzierbar, kopierbar, vermittelbar, in bar auszuzahlen. An der Bar versoffen. Das Ideen-Honorar. Die Idee, das Produkt. Alle müssen's haben. Für die Vitrine, zum Protzen vor der neuen Flamme. Um den Hals gehängt, ins Gesicht geschmiert, auf das iPhone geladen. Das Ideen-App, das Kreativ-App. Lad es runter, dann ab in den Papierkorb. Gesehen, genutzt, verbraucht, alles schon gehabt. Alles nutzt sich so schnell ab. Fließt durch Kabel in Bildschirm in Licht in Kopf in Synapsen und verschwindet doch im schwarzen Nichts. Die Kopie der Kopie der Kopie der Kopie der Idee. Hatte Ludwig XIV menschliche Apps als Beraterstab? Ein paar goldene Kordeln mit Glocke, um Informationen heranzubimmeln. Heute, damals, dekadent irgendwie. Das Kammerorchester spielte auf Knopfdruck, die Konkubine auf Bestellung. Der Speichellecker zeichnet alle Straßen nach. Wo gibts das beste Demütigungs-Event? Wo fressen diese sogenannten Armen nochmal ihren Kuchen? Ach ne, heute nur noch Knäckebrot. Ein tägliches Laufburschen-Update aus dem Real-Life für den Herrscher. Wir herrschen über Bildschirme. Oder werden beherrscht? Ausgestopft, bespaßt, abgeerntet. Legebatterie à la Matrix. Glaube abgeerntet, Erspartes abgeerntet, Wille abgeerntet. Die Wärme, die Lebensenergie, die alternative Energiequelle. Wohnzimmer-Legebatterie. Artgerechte Haltung für die eierlegende Wollmilchsau, die nur nützlich, nicht menschlich sein darf.
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Die größte Sünde unserer Zeit ist die der Seichtigkeit, die der absoluten Oberflächlichkeit, mit der die eine Uhrwerk Orange versucht als roter Punkt auf dem Radar der anderen zu erscheinen, um sich selbst zu beweisen "Ich existiere! Der andere sieht's ja auch, also muss es stimmen!".
AntwortenLöschenWarum nur durch Eroberung der anderen existieren und nicht einfach mal aus sich selbst heraus? Das eigene Terrain als heiligen Boden weihen. Mehr noch, die Welt freundlich in sich spiegeln als sie zu zwingen einen selbst zu reflektieren?