


Es waren einmal eine handelsübliche Zimmerpflanze namens Bogenhanf, ein Plüschhase und ein Leopardenhalstuch. Die trafen sich auf dem Grabbeltisch im Ein-Euro-Laden. Hier leidet ja selbst die unterbezahlte Kassiererin an Hospitalismus. Und auch das Leopardenhalstuch kannte die Savanne nur noch aus dem Fernsehen. Wie es so den Verwandten in der Wildnis hinterher träumte, fiel sein Blick auf einen Plüschhasen und plötzlich packte es der Jagdtrieb: „Renn! Renn du kleines Hoppelhäschen! Du sollst mir gut schmecken!“ Dem Halstuch wurde ganz wildkatzig zumute. Krallen und Zähne wuchsen aus seinem Polyesterkörper und mit einer Tatze griff es nach dem Häschen, verfehlte es jedoch und verkratzte dem alten Bogenhanf nebenan den Blumentopf. Der döste gerade träge vor sich hin. Schließlich hatte er soeben eine große Portion Dünger zum Mittagessen verputzt. Der Plüschhase jedoch wippte panisch auf seinem Platz herum. Das Hoppeln hatte er längst verlernt – schließlich wurde er ständig herumgetragen. Verzweifelt rief er um Hilfe Richtung Blumentopf. Der Bogenhanf schreckte hoch und stellte empört seine Arme auf: „Was bildest du dir ein, wo du bist du Polyester-Katze? Im afrikanischen Wildreservat? Nach drei Tagen auf dem Grabbeltisch kommt wohl schon wieder dein ADHS-Syndrom durch. Lass das Häschen in Ruhe. Das kann nicht mit dir Fangen spielen. Such dir jemanden, der dir gewachsen ist!“, sprach die Zimmerpflanze und verwandelte ihren Arm in eine drohende Urwaldschlange. Doch dann hielt sie inne. „Ich habe eine Idee du armes hyperaktives Kätzchen. Auch ich träume nachts oft von Afrika. Lass uns aus dem Discounter ausbrechen und nach Hause gehen! Da ist dann genug Platz zum Fangen spielen.“ Das Leopardenhalstuch schnurrte zustimmend. Und so fingerte der Bogenhanf einer vorbei wuselnden Hausfrau zwei Euro aus der Tasche, kaufte das Leopardenhalstuch und sich frei und gemeinsam zogen sie Richtung Somalia. Der Hase aber blieb zurück. Er war zu faul zum Laufen.
(Geschichte zum Aufmacherbild des Gedankengerümpel-Blogs)